“Adriano starb allein” – Naidoo spricht vor rechten Verschwörungstheoretikern

Es kommt mir vor, als wäre es gestern gewesen: Ich war 12 Jahre alt, der Fernseher im elterlichen Wohnzimmer war auf MTV eingestellt und die „Letzte Warnung“ von Brothers Keepers schallte laut und krachend aus den kleinen Boxen. Refrain-Sänger damals: Xavier Naidoo. Nun stand der Soulmusiker zwar nie vorrangig für politische Musik, nein, vielmehr jaulte der gebürtige Mannheimer über Gefühle, steinige Wege und Eingebungen. So weit, so ungefährlich. Doch in den letzten Jahren bemühte sich der Schmuesesänger scheinbar doch um politische Meinungsbildung – allerdings anders als es sich mein pubertierendes Ich vorgestellt hatte. Es ist bereits zwei Jahre her, da äußerte Naidoo im ARD Morgenmagazin die These, dass Deutschland ohne Friedensvertrag und somit auch noch „ein besetztes Land“ sei.


Eine Argumentation, die auch in rechten Kreisen immer wieder bemüht wird: Unter anderem auch von der Reichsbürgerbewegung, die versucht, das Deutsche Reich in den Grenzen von 1937 per Kommissarischer Reichsregierung aufrecht zu erhalten und die Bundesrepublik als de jure nicht existent und verfassungsrechtlich illegal ansieht.

Auch bei einem kleinen Auftritt in diesem Sommer untermauerte Naidoo diese Ansichten ein weiteres Mal. Er zweifelte das Grundgesetz an, die reale Existenz der Bundesrepublik Deutschland. Eine Sichtweise, die ebenfalls in die Ideologie der Reichsbürgerbewegung passt.

Am Tag der Deutschen Einheit war Naidoo nun zu Gast bei einer Mahnwache vor dem Kanzleramt, zu der laut Tagesspiegel die Reichsbürgerbewegung aufgerufen hatte. Neben zahlreichen Verschwörungstheoretikern aus dem rechten Milieu war auch Berlins NPD-Chef Sebastian Schmidtke vor Ort. Während Schmidtke im Hintergrund blieb, hielt Naidoo sogar eine Rede. Bei derartigen Ausprägungen von Naidoos politischer Meinungsbildung wünscht man sich doch, er würde sich wieder auf seichte, gefühlsduselige Musik konzentrieren.

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