Antilopen Gang, Zschäpe und der Alltagsrassismus

„Ich bin ja kein Nazi, aber…!“ An deutschen Stammtischen kommt kaum ein Gespräch ohne diese Einleitung aus. Damit ist meistens gemeint: „Ich finde, hier sind zu viele Ausländer und die Politiker geben denen was sie wollen, weil sie Deutschland zerstören wollen. Wir sollten lieber selbst darüber abstimmen – per Volksentscheid. Das ist nur eine Meinung, ein Nazi bin ich nicht, denn ich trage keine Springerstiefel.“

Das Problem: Abgesehen von der Mode, die den durchschnittlichen Neonazi in den 90er Jahren ausgemacht hat unterscheidet den „Ich bin ja kein Nazi, aber…!“-Menschen nicht viel von einem leibhaftigen Neonazi. Das sprichen nun auch die Rapper der Antilopengang um NMZS in dem Song „Beate Zschäpe hört U2“ an. Sie schmeißen die mutmaßlichen Rechtsterroristen des NSU mit Stammtischplauderern, der NPD, dem rechten Rapper MaKss Damage und dem Durchschnittsdeutschen Max Mustermann in einen Topf, geben eine Prise Eva Herrmann und Jürgen Möllemann hinzu, rühren kräftig und tischen dem Hörer ohne verschleiernde Dekoration die braune Suppe auf, die sich in die Deutschland seit einigen Jahren zusammenbraut.

Dieser Song zeigt auf: Es muss nicht immer die Spitze des Eisbergs sein. Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt waren nicht die einzigen Neonazis in diesem Land – und nur, weil man nicht durch Deutschland reist und Migranten ermordet, gehört man noch lange nicht zu politischen Mitte. Viele Gruppierungen bekommen ihr Fett weg. Da wäre der klassische „Ich bin ja kein Nazi aber…!“-Charaktär, der sich neben Internetforen auch in Kneipen mit Gleichgesinnten austauscht, die „irgendwas mit ‚Deutsch‘, ‚Heimat‘ oder ‚Adler‘ heißen“. Genauso wird die NPD und ihre „Geld für die Oma, statt für Sinti und Roma“-Kampagne angesprochen. Und: Es wird mit klassischen Parolen zitiert. „Inländerfeindlicher Familienpolitik“, die sogenannte Überfremdung, vermeintliche Ausländerkriminalität, jüdische Menschen, die angeblich Medien und Börsen kontrollieren. Wenn man der Antilopen Gang etwas vorwerfen kann, dann, dass sie diese fragwürdigen Thesen nicht entkräftet, sondern ihnen lediglich mit Ablehnung und Ironie gegenübertritt. Doch auch das ist ehrenwert. Schließlich handelt es sich bei „Beate Zschäpe hört U2“ immernoch um einen Rap-Song und nicht um eine wissenschaftliche Abhandlung. Hetze, Holocaustleugnung, rechte Gesinnung aus vermeintlichen Friedensgründen, Fassade wie Tierschutz und die Todesstrafe für Kinderschänder: Es wird vieles angesprochen. Bleibt zu hoffen, dass dieser Song einige Hörer zum Nachdenken anregt, damit die nächste braune Suppe auf dem Studioherd deutlich dünner wird.

Hier noch einmal der ganze Song zum Anhören:

Antilopen Gang: Beate Zschäpe hört U2
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