„Ich bin ja kein Nazi, aber…“ – Das eine Szenario

Es ist einer der grauenhaftesten Sätze der letzten Jahre: „Ich bin ja kein Nazi, aber…“ Eingesetzt werden häufig Wortgruppen wie: „aber die Ausländer sind nunmal kriminell“ oder „es kann nicht sein, dass die Flüchtlinge 3000 Euro im Monat bekommen und wir nichts.“ Das schlimme ist zum einen, dass hinter dem „aber“ immer abstrusere Unwahrheiten auftauchen, zum anderen, dass scheinbar viele ihre Xenophobie tatsächlich nicht mit den Parolen der Neonazis und rechter Rattenfänger in Verbindung bringen, sich in der Mitte der Gesellschaft sehen – und in Dresden scheinbar Woche für Woche darin bestätigt werden.

Dieser Satz ist an Gefährlichkeit überhaupt nicht zu überbieten. Jeder, der ihn benutzt wähnt sich in der Mitte der Gesellschaft, denn er ist ja „kein Nazi“, egal, was nach dem „aber“ kommt. Wenn ich mich wieder einmal durch die einschlägigen Foren klicke, sehe ich etwas anderes und hoffe ich inständig auf eine alternative Vollendung: „Ich bin kein Nazi, aber ich bin rechten Agitatoren auf den Leim gegangen.“ Diese Ehrlichkeit würde ich mir wünschen. 15.000 vermeintliche Pegida-Anhänger waren am Montag in Dresden auf der Straße. Schätzungsweise waren dort 4000 Rechte und Rechtsradikale anwesend. Der Rest: unzufriedene, die Sicherheit suchen, Sicherheit, die ihnen Lutz Bachmann gemeinsam mit anderen Agitatoren durch die Bereitstellung eines gemeinsamen Feindbildes zu geben scheint. Doch was nützt dieses Feindbild, wenn es überhaupt nicht zutrifft? Die Anzahl der radikalen Muslime ist verschwindend gering und wenn man nach Vorra schaut auch längst nicht das einzige Extremismusproblem. Auch von einer Islamisierung ist beim besten Willen nicht auszumachen. Der Anteil der Muslime in Deutschland beträgt gerade 5 Prozent. Dennoch schaffen es Bachmann und Co., Ängste zu schüren und damit jede Woche tausende Bürger auf die Straße zu bekommen.

Ich wünsche mir, dass der Pegida-Spuk bald endet und ich dann den Satz als Rechtfertigung lesen kann. „Ich bin kein Nazi, aber ich bin rechten Agitatoren auf den Leim gegangen.“

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