Die Angst vor dem Neuen

„Es war schon immer so!“ Immer wieder lese ich diesen Satz unter zahlreichen Posts auf Facebook. „Warum sollte man dieses oder jenes nun ändern, wir haben das doch immer schon so gemacht.“ Sätze wie diese finden sich aber nicht nur auf den üblichen verdächtigen Seiten. Nicht nur bei Pegida, Bagida und wie sie alle heißen. Sie finden sich überall. Schlägt der Bund Naturschutz vor, das Zünden von Böllern an Silvester sein zu lassen, damit die Belastung für Tiere und Umwelt nicht so stark ist, wird diese Keule geschwungen. „Wir haben immer geknallt, es ist eben ein Brauch!“ Ja tatsächlich mit Ausrufezeichen, denn sie stammen schließlich von einem Wutbürger. Abgesehen davon, dass ich tatsächlich kein Freund vom Herumböllern bin und den Sinn dahinter nicht verstehe – es gar nervig finde, wenn ich von der Kneipe in den Club ziehe und mich akustisch in ein Krisengebiet versetzt sehe, frage ich mich, warum es vielen Leuten so wichtig ist, althergebrachtes zu behalten. Die Gesellschaft lebt schließlich von der Weiterentwicklung, davon, dass unnötiges oder gar Schlechtes irgendwann abgelöst wird. Das Böllern ist meiner Meinung nach mindestens unnötig. Dass es jedes Jahr zahlreiche Verletzte gibt, Haustiere verrückt spielen und tagelang das Schwarzpulverreste und Füllmaterial auf der Straße liegen, sollte auch bekannt sein.

Wieso also daran festhalten? Die Gesellschaft in Deutschland hat Blutrache, Todesstrafe und Folter hinter sich gelassen – obwohl es über Jahre hinweg Teil der „Kultur“ war. Es scheint so, als gehe es uns zu gut. So gut, dass wir nicht mehr glauben, dass eine Veränderung einen Mehrwert bringt, sogar so gut, dass wir befürchten, dass Veränderungen unsere Situation verschlechtern. Doch grade, wenn es uns so gut geht, sollten wir offener sein, sonst kommt irgendwann der Punkt, an dem wir uns denken „verdammte Axt irgendwas passt hier nicht, hätten wir mal.“

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