Angriff auf einen Journalisten: Warten auf die Doppelmoral

Noch vor einer Woche habe ich mir vor Ort ein Bild von Pegida gemacht. Genauer gesagt von Bärgida, dem Ableger in der Hauptstadt. Nach dem heutigen Tag würde ich diese Entscheidung noch einmal überdenken. Wie die Leipziger Volkszeitung berichtet, gab es aus dem Legida-Lager Angriffe auf Journalisten – und das von einer Menschen, die noch vor Wochenfrist Schilder mit dem Spruch „Je suis Charlie“ hochhielten, damit für Meinungsfreiheit einstehen wollten, Plakate hochhielten auf denen stand: „Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden“ und per Spruchband versicherten: „Wir sind keine Terroristen.“ Nun also die Angriffe auf Journalisten. Im LVZ-Live-Ticker heißt es:

50 Angreifer sind aus dem Legida-Block auf die vor dem Demonstrationszug laufenden Presseleute gestürzt. Ein Fotograf wurde zu Boden getreten, seine Kamera-Ausrüstung zerstört.

Was fehlt da noch zu den Anschlägen von Paris? Die Kalaschnikow – zugegeben. Aber was wäre passiert, hätte einer der 50 gewaltbereiten Legida-Anhänger eine gehabt? Es geht mir hier nicht um die große Masse. Die ruft, marschiert, hetzt. Das ist nicht gut, aber immerhin ungefährlich. Nun sind aber 50 tatsächlich auf Journalisten losgegangen, haben ihrem Hass freien Lauf gelassen. Das macht Angst und das ist – ja liebe Pegida – ein Angriff auf die Pressefreiheit, auf die von Euch eingeforderte Meinungsfreiheit.

Unter diesem Gesichtspunkt ist es interessant, wie nun reagiert wird. Wird die Tat vollkommen abgestritten, der Angriff als Erfindung der „Lügenpresse“ abgetan? Oder wird auf das wird tatsächlich reflektiert und festgestellt: Das waren nicht wir alle. Jeder würde das akzeptieren, doch den Pegida-Sympatisanten selbst dürfte diese Argumentation schwer fallen. Sie geben sich als die neuen Könige der Verallgemeinerung in Deutschland. „Die links-grünen Gutmenschen“, die das Land doch verlassen sollen. „Die Lügenpresse“, „die Politiker“ ganz gleich welcher politischer Ausrichtung werden verteufelt. Und natürlich: „Der Islam“. „Der Islam“, der schädlich für „das Abendland“ und für die die freie Welt an sich sei. Denn schließlich war es „der Islam“, der für die Geschehnisse von Paris verantwortlich ist. Passt in ein solches Weltbild das Wort „einige“? Nein. Und dennoch sie werden es anbringen und damit auch grundsätzlich Recht haben. Dennoch zeigt das nur eines: Eine ungeheure Doppelmoral und eine Ideologie, die sich die Dinge so zurecht biegt, wie sie es gerne hätte.

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