Wenn „gute Deutsche“ kein Deutsch beherrschen

Seit Juni 2014 sammelt Michael A.

Seit Juni 2014 sammelt Michael A. „Rhetorische Perlen von AfD- und NPD-Anhängern“

Die deutsche Sprache ist schön, die deutsche Sprache ist schwer. Drei Geschlechter, vier Fälle und so viele Unregelmäßigkeiten, dass es dem durchschnittlichen Kleingartensiedlungsaufseher zu viel wird. Da ist es kaum verwunderlich, dass Nichtmuttersprachler so ihre kleineren Probleme haben – allerdings sind sie damit nicht allein. Paradoxerweise sind gerade unter den selbsternannten Kulturschützern aus dem Dunstkreis von AfD, NPD und Pegida bemerkenswert viele, die es nicht fertig bringen, einen geraden, geschweige denn fehlerfreien Satz zu formulieren.

Wer sich in den einschlägigen Facebook-Gruppen herumtreibt, stößt immer wieder auf solche rhetorischen Perlen. Wer nicht selbst suchen will oder mit dem Würgereiz kämpfen muss, wenn er eine der einschlägigen Seiten anklickt, kann inzwischen auch auf eine der zahlreichen Sammelseiten zurückgreifen. Eine davon heißt ganz unmissverständlich „Rhetorische Perlen von AfD- und NPD-Anhängern„. Im Juni 2014 begann Michael A.* damit, die unzureichende Sprachkenntnis der „Kulturschützer“ öffentlich zu machen.

Als A. sich zum Zeitvertreib die Kommentare auf der Facebook-Seite der NPD durchgelesen hat, bekam er immer wieder Lachanfälle. Zu skurril war das, was „unsere aufrechten Deutschen mit niedrigem IQ so vom Stapel lassen.“ Das sollten mehr Leute erfahren, dachte sich A. – die Seite war geboren. Nach gut einem Jahr folgen fast 60.000 Personen der Seite.

A. geht es darum, zu zeigen, welche „Gedankengänge teilweise in der rechten Szene Standard – aber auch wie dumm viele der Anhänger sind.“ Für viele sei es schon ein Denkzettel, mit einem rassistischen Kommentar auf einer großen Facebook-Seite zu sehen zu sein. Das sei sinnvoller als der offizielle Weg, da das Melden in der Regel ohnehin erfolglos sei. Daher beschränkt sich A. auch nicht nur auf teilweise abstruse Grammatik- und Rechtschreibfehler, sondern zeigt auch die abstrusen Sphären, in die die Gedanken in rechen Facebook-Gruppen aufsteigen.

Doch das Scannen der einschlägigen Seiten kann auch ganz schön an den Nerven zehren und einen runterziehen, gibt A. zu. Beim Lesen empfinde er teilweise Ekel und ist genervt von so viel „Dummheit und Hetze“. In manchen Momenten wird es ihm zu viel. Daher ist er inzwischen dazu übergegangen, Positives zu posten. So finden inzwischen auch Hinweise auf Dokus oder Plakate anderer (Real-)Satire-Seiten den Weg auf die Seite. Oft hilft es A. aber schon, das „harte Zeug“ einfach ins Lächerliche zu ziehen, es mit einem Augenzwinkern zu posten.

Bleibt zu hoffen, dass sich A. Motivation und zwinkerndes Auge erhalten kann. Den 60.000 Facebook-Fans würde wohl viel Real-Satire entgehen.

* Name geändert

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