#BoycottGermany ist destruktiv

Keine Frage: Das sogenannte Agreekment wurde den Griechen aufgezwungen. Weiterhin bleibt aber die Frage offen, ob diese dramatischen Sparmaßnahmen überhaupt den gewünschten Erfolg bringen. Ohne Investitionen wird es nicht gehen. Doch woher sollen die kommen? Diese Diskussion ist aber nun erstmal auf Eis gelegt. Schließlich ist ein Plan – sofern er durch die Staatsparlamente kommt – beschlossen. Die wichtigste Info ist: Es geht erst mal weiter. Griechenland bleibt im Euro. Es gibt neue Hilfen. Das ist allerdings angesichts des Spardiktats auch die einzige positive Nachricht.

Entsprechend groß war die Enttäuschung, die Wut, über die selbstherrliche Verhandlungsweise der deutschen Regierung. Doch ein Netz-Trend geht deutlich zu weit. Der Hashtag #BoykottGermany steht mindestens genauso konträr zum europäischen Gedanken wie das Austeritätsprogramm für Griechenland.

Es ist schockierend, dass dazu aufgerufen wird, bestimmte Produzenten zu meiden. „Deutsche, kauft nicht bei Juden“, schießt sofort in meinen Kopf. Selbstverständlich ist diese spontane Anfeindung Deutschlands nicht vergleichbar mit der systematischen Ausrottung der Juden in Nazi-Deutschland. Dennoch trägt dieser Aufruf einen faden Beigeschmack. Der wird verstärkt durch die Destruktivität des Gedankens. Der Boykott kommt nicht sofort bei Angela Merkel und Wolfgang Schäuble an, sondern bei den Unternehmen – und somit den Arbeitern, die unter Umständen ihre Arbeitsplätze verlieren.

Es widerspricht dem europäischen Gedanken zutiefst, andere Europäer für das Handeln ihrer Regierung zu bestrafen. Gerade ein Boykott deutscher Produkte von Deutschland aus würde Griechenland nur weiter schaden. Sinkt die Binnennachfrage, wird zuerst mehr auf den Export gesetzt, griechische Produkte könnten vom Markt gedrängt werden. Die Wirtschaft könnte weiter einbrechen.

Der europäische Gedanke ist einer von Zusammenhalt, von Hilfe. Auch wenn die deutsche Regierung diesen seit mit Füßen tritt, sollte man nicht veruchen, Vergeltung zu üben, sondern es besser zu machen. Es war ein weiter Weg zum geeinten Europa und es ist auch heute noch ein harter Kampf es zu bewahren. Das sollte nicht bekämpft werden.

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