Anke Engelkes Leipzig-Witz: Getroffene Hunde bellen

Anke Engelke durfte an der Eröffnung der Berlinale am Donnerstag mitwirken und das tun, was sie am besten kann: Menschen zum Lachen bringen. Das Tat sie auch, nur ein Gag stieß vielen Zuhörern sauer auf: „George Clooney hat für The Monuments Men viele Millionen investiert, um Deutschland in Nazideutschland zu verwandeln. Dabei hätte er es billiger haben können – 180 Kilometer südlich in Leipzig“, witzelte sie.

Zugegeben für zehn Kilometer mehr hätte es den passenderen Dresden-Vergleich gegeben, im Zuschauerraum zog der Witz trotzdem. Doch danach brach ein Shitstorm über die Entertainerin herein. Auf ihrer Facebook-Seite und auf Twitter wird sie beschimpft, durch den Dreck gezogen, ihr Leipzig-Verbot erteilt. Die Absender: Selbstverständlich einige Selbsternannte ‚besorgte Bürger‘,  die sich angesprochen fühlten, aber den Nazi-Vergleich unangemessen finden aber auch Menschen, die sich um das Ansehen der Stadt sorgen. Das Niveau der Tiraden ist nur geringfügig höher als das der Le-, Pe-, Po-, Bär-, Uswgida-Kommentare. Grundtenor: Wir sind keine Nazi-Stadt.

Doch warum dann die Aufregung? Die Antwort bringt ein altes Sprichwort: Getroffene Hunde bellen. Und diese Hunde bellen laut. Da bellen die Legidas, die sich nicht ohne Grund angesprochen gefühlt haben. Direkt adressiert hatte Engelke ihre Spitze schließlich nicht. Trotzdem kommt lauter Protest aus der extrem rechten Ecke.

Und dann bellen auch die anderen. Diejenigen´, die nicht wahr haben wollen, dass die eigentlich so weltoffene Stadt Leipzig auch ein großes Problem mit Rechtsextremismus hat. Ein Phänomen, dass 2011 nach einer Aspekte-Doku auch in Jena zu sehen war.

Doch ich frage: Hat Anke Engelke nicht aus das Leipzig gemeint, in dem regelmäßig rund 700 Rassisten aufmarschieren? Hat sie nicht das Leipzig gemeint, in dem 250 rechtsextreme Hooligans durch Connewitz zogen und eine Spur der Zerstörung hinterließen? Hat sie nicht das Leipzig gemeint, in dem ein Flüchtlingsheim in Brand gesteckt und ein weiteres ebenfalls angegriffen wurde?

Die bellenden Leipziger täten gut daran, einmal darüber nachzudenken, wieso sie sich von den Worten von Frau Engelke so auf die Barrikaden treiben lassen. Natürlich. Leipzig taugt eher nicht als Paradebeispiel für eine Nazi-Stadt. Aber Leipzig hat Probleme. Die sollten nicht totgeschwiegen, unter den Teppich gekehrt werden. Die Leipziger sollten sich ihnen offen stellen und sie angehen – und vielleicht sogar einen netten Hinweis, der von der Berlinale-Bühne aus mit einem Augenzwinkern kommt, zu schätzen wissen.

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