Clausnitz: Sachsen hat Polizei – leider

Es ist schwer vorstellbar, dass aus dem abartigen „Empfang“ der Flüchtlinge in Clausnitz noch etwas heraussticht, das noch ein bisschen abartiger ist. Ein Polizist hat es geschafft.

Die Ordnungshüter von Freistaats Gnaden waren nur mit 30 Beamten am Ort des Geschenes. Vorab ein Lob: Sie konnten wenigstens verhindern, dass die rund 100 Rassisten gegenüber den Flüchtlingen handgreiflich werden. Das war es allerdings schon mit den guten Nachrichten, denn den pöbelnden rechtsextremen Mob konnten die Beamten nicht vertreiben.

So standen die Rassisten weiter direkt an der Frontscheibe des Busses. Pöbelten, schrien, verhöhnten die ankommenden Asylsuchenden. Im Bus: verängstigte Menschen, die verständlicherweise den Bus nicht verlassen wollten. Wer tritt schon gerne einem Mob entgegen, der einem nichts gutes will.

Da die Polizei es nicht schaffte oder schaffen wollte, der rassistischen Meute einen Platzverweis zu erteilen um die Ankunft der Flüchtlinge zu ermöglichen, griffen sie zu Gewalt. Allerdings nicht gegen die Menschen, die den reibungslosen Ablauf des Heimbezugs verhinderten, sondern gegen die verängstigten Flüchtlinge.

Ein Video zeigt, wie ein 14-jähriger Junge von einem Polizisten aus dem Bus gezerrt wird. Der wird dabei vom rechten Mob angefeuert. „Raushöööln“, gröhlt einer. Als der Polizist den Jungen zu fassen bekommt und in Richtung der Unterkunft schleift, johlt die Menge.

Wie BILD berichtet, sei  der Junge nicht die einzige Person gewesen, die gegen ihren Willen aus dem Bus gezerrt wurde.

Es ist einfach beschämend. Am Samstagnachmittag will sich der Chemnitzer Polizeipräsident Uwe Reißmann äußerte sich am Samstagnachmittag zu den Vorfällen. Kaum zu glauben, aber es wurde noch ekelerregender. Aus seiner Sicht „gibt es für das Vorgehen der Polizei Sachsen überhaupt keine Konsequenzen. Er erläutert: „Die Businsassen waren auch nach intensiven Verhandlungen mit einem Dolmetscher nicht dazu zu bewegen des Bus zu verlassen.“ Ein Mensch mit Empathie würde erwidern: Wer geht schon gerne raus, wenn ein tobender Mob dort steht?

Es klingt wie aus einer Satire. Reißmann sagt, die 100 „Demonstranten“ hätten dem ausgesprochenen Platzverweis nicht Folge geleistet. Bedenkt man, wie in Sachsen geprügelt wird, wenn linke oder bürgerliche Demonstranten einem Platzverweis nicht Folge leisten, ist das der blanke Hohn. Doch es geht noch schlimmer.

Reißmann sagt: Gegenüber dem Flüchtlingsjungen sei „einfacher, unmittelbarer Zwang“ notwendig gewesen. Das verstört. Sollte die Polizei nicht mit Zwang gegenüber den Aggressoren vorgehen und nicht gegenüber denjenigen, die geschützt werden müssen.

Erschreckend, wie wenig reflektiert die sächsische Polizei sich nach diesem Tag gibt. Es wird Zeit, dass Innenminister Ulbig seinen Laden gehörig ausmistet. Rechtsextremisten oder Sympathisanten der Szene haben in der deutschen Polizei nichts zu suchen.

Der Post wurde mit der Pressekonferenz ergänzt.
Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s