Der Brexit ist eine Katastrophe

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Foto: Wiki Commons

Ich habe keine Ahnung von Wirtschaft. Das möchte ich im Moment auch gar nicht. Experten haben im Vorfeld gewarnt, Experten malen nun, da der Brexit scheinbar vom britischen Ü50-Volk gewünscht ist, düstere Zukunftsbilder.

Doch mir geht es nicht um Märkte. Ich habe die EU nie primär als Wirtschaftszone gesehen. Für mich war und ist sie noch eine Wertegemeinschaft. Eine Gemeinschaft der Menschlichkeit, eine Gemeinschaft, in der sich Staaten gegenseitig helfen, eine Gemeinschaft, die Integration unter vermeintlich verschiedenen Völkern vorantreibt, Vorurteile abbaut und Europa eines Tages nach vielen Kompromissen zu einem souveränen Staatenbund einen kann.

Dieser Traum ist nun in weite Ferne gerückt. 51,9 Prozent der Briten die ihre Stimme abgegeben haben, wollten die EU verlassen – oder wenigstens David Cameron eins auswischen. Sie wollten keine Zuwanderung aus EU-Staaten, sie wollten nicht zusammenwachsen, sie wollten keine gemeinsamen Richtlinien. Aber genau das macht die EU aus. Das ist es, was Europäische Integration meint: Zusammenarbeit und die Überwindung von willkürlichen Grenzen.

Diese Idee hat nun einen empfindlichen Dämpfer bekommen. Es ist eine Katastrophe – und selbst ein Träumer wie ich, der einst gehofft hatte, dass auf der Geburtsurkunde seiner Kinder ‚Staatsangehörigkeit: Europäische Union‘ stehen wird, kann sich dem Eindruck nicht erwehren, dass das nur der Anfang vom Ende sein könnte.

Wie EU-feindlich auch andere Staaten eingestellt sind, zeigen die Wahlen in den vergangenen Jahren. Von der europäischen Idee in in Polen oder Ungarn längst nichts mehr über. Lediglich die empfangenen Zahlungen werden mit Wohlwollen aufgenommen. Nationalismen bestimmen die politische Debatte nicht erst seit die Zahl der Schutzsuchenden in Europa im vergangenen Sommer angestiegen ist. Bereits im Rahmen der europäischen Finanzkrise zeigten die Europäer ihr wahres Gesicht. Unwillig, Hilfen für das finanziell marode Griechenland zu leisten, zeigten die Staats- und Finanzchefs der Geberländer gegenüber der neu gewählten Regierung Härte, diktierte ihnen Sparauflagen, die zu großen Teilen den Sozialsektor betrafen. Das kam freilich bei den Bürgern der sich renationalisierenden Staaten der EU gut an, hat aber nichts mehr mit der Europäischen Idee eines friedlichen Miteinanders zu tun. Meine EU stelle ich mir anders vor.

Und doch will ich den Traum noch nicht begraben. Großbritannien ist raus, doch vielleicht gilt das nicht für die ganze Insel. Die schottische Premierministerin Nicola Sturgeon sieht Schottland, wo sich die Wähler mit 62 Prozent für einen Verbleib in der EU ausgesprochen haben, auch zukünftig als Teil der Europäischen Union, will einen neuen Anlauf in Richtung Abkehr von Großbritannien wagen.

Die Idee von Europa ist noch nicht tot, aber wir müssen sie mehr denn je pflegen und endlich die Nationalismen überwinden.

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