Liebe EU, ich mache Schluss

Liebe EU,

wie habe ich mich in Dir getäuscht? Ich bin so dumm gewesen. Ich war 15 als ich mich in Dich verliebt habe, Deine Ideen, Deine Visionen. Jung und naiv bin ich gewesen. Ich hatte Träume – und Du warst die Hauptdarstellerin. Du wirktest frisch, aufregend. Du warst aufstrebend mit einer großen Zukunft. Der Verfassungsvertrag wurde unterschrieben, Dir schienen alle Türen offen zu stehen und ich wollte mit Dir hindurchschreiten.

Du warst dabei, Dich von der grauen Wirtschaftsunion zu etwas Größerem zu entwickeln. Du wolltest kein Fachidiot mehr sein, Du wolltest zur Wertegemeinschaft werden. In nicht allzu ferner Zukunft sah ich gar die Nationalstaaten ihre Souveränität an Dich abgeben. In meinen Träumen war es schon ganz nah. Aber Dir wurden immer wieder Steine in den Weg gelegt, auf dir rumgehackt, Deine Arbeit niedergeredet, ins Lächerliche gezogen. Ich habe immer zu Dir gestanden. Ich habe gedacht, wenn wenigstens einer an Dich glaubt, wirst Du Dich entfalten können. Doch ich habe mich geirrt. Du stagnierst, entwickelst Dich zurück – und scheinst nichts dagegen tun zu wollen.

Du entwickelst Dich in die Richtung von Leuten, die Dir im Weg stehen wollen, entfernst Dich immer weiter Menschen, die Dich in aller Unperfektheit akzeptieren, lieben, die Dir vertrauen.

Ich habe oft gezweifelt, habe sie wieder weggewischt. Auch in den letzten Jahren, als Du täglich neue Menschenleben auf dem Gewissen hattest. Ich habe geglaubt, Du würdest Dich fangen, Dich besinnen. Das habe ich aufgegeben. Ich fühle mich von Dir betrogen, zwölf Jahre lang an der Nase herumgeführt. Meine Freunde haben mich gewarnt, doch ich war geblendet von einer Zukunft, die wir nun nie haben werden. Du bist nur eine Wirtschaftsunion und wirst niemals mehr sein. Du bist nicht stark genug, um Dich Deinen Gegnern zu stellen, hast nicht das Charisma, Dich ihnen entgegenzustellen. Du hast Dir in Deiner besten Zeit zu viel reinreden lassen und so an Bedeutung verloren.

Du hast Dich verändert. Du treibst Dich mit Leuten rum, die Dir vor einem Jahr ohne mit der Wimper zu zucken Griechenland genommen hätten, nur um sie aus der Euro-Zone zu bekommen, Dich aber trotz Verstößen gegen Deine moralischen Regeln nicht von der Last Ungarn befreien wollen. Du lässt das mit dir machen, weil Du Dich ihnen ergeben hast. Du bist eine Wirtschaftsunion, weil es der einfachste Weg ist – und damit will ich nicht noch mehr Zeit verschwenden.

Ich werde mich neu verlieben. Vielleicht erst in hohem Alter aber ich werde es. Ich träume schon von meinem neuen Schwarm: den Vereinigten Staaten von  Europa.

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