Zigaretten-Schockbilder: Jeder Spuk flacht ab

Seit Ende Mai müssen Zigarettenschachteln in Deutschland mit sogenannten Schockbildern versehen werden. Da Tabakunternehmen aber bescheid wussten, produzierten sie vor. Ab Mitte Juli waren die Schachteln mit den großen Bildern dann in den Regalen und zugegeben: Der Rest Stil, den die Schachteln trotz Warnsprüchen ausstrahlten war weg. Das war tatsächlich ein Schock. Und ja, viele meiner Arbeitskollegen und auch ich suchten Wege, diese Bilder, nicht ständig sehen zu müssen. Ich holte mir ein Etui, bekam ein weiteres vom Späti-Mann meines Vertrauens geschenkt. Eine Kollegin holte sich eine Tabaktasche, eine andere steckte einfach eine zurechtgeschnittene Karte aus Pappe unter die Folie genau dorthin wo das Schockbild sitzt.

Bei genauerer Betrachtung erschloss sich mir aber: Längst nicht alle Bilder sind gruselig, schockierend schon gar nicht. Das Baby mit dem Zigarettenschnuller oder der Mann, der sein Kind auf dem Arm hält und anpustet haben eher etwas von Comedy. Der Baby-Sarg, der Asche-Embryo und der Mann in Fötusstellung sind eher abstrakt, verraten aber nichts Neues. Bei den Männern, die auf verschiedenen Bildern in Krankenhausbetten liegen, wird auch nicht zwingend deutlich, dass diese dort wegen ihres Zigarettenkonsums liegen – und ob Raucher tatsächlich ein größeres Risko zu erblinden haben, wie es einige Schachteln suggerieren, und um wie viel höher das Risiko ist, ist überhaupt nicht abschließend geklärt.

Bleiben noch die Körperlichen Bilder. Kaputte Zähne: nicht schön. Kaputter Fuß: Tatsächlich beängstigend, aber der kommt auch nicht über Nacht. Die Blut hustende Frau: Ja. Hat am Anfang schon ein ungutes Gefühl hinterlassen. Die Lungen-OP und das Loch im Hals: sind beides nicht bei einem kurzen Blick als solche zu erkennen.

Die Schockbilder mögen zu Beginn durch ihre Ankündigung tatsächlich etwas schockiert haben, doch das ist längst vorbei. Die Wirkung ist verflogen. Ich benutze meine Etuis längst nicht mehr. Zu umständlich, zu wenig Motivation bieten die wenig schrecklichen Bilder. Wir haben uns daran gewöhnt, wie wir uns an alles gewöhnen. Bei meiner Kollegin sind inzwischen die Pappkarten verschwunden. Alles ist beim Alten. Nur unansehnlicher sind die Schachteln. In meinem Umfeld aber kein bisschen unbeliebter.

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