Disqualifikation gegen Shapovalov war zu hart

Nachdem ich mich nun über mehrere Tage mit diversen Leuten in den Sozialen Netzwerken gestritten habe und offensichtlich immer falsch verstanden wurde, möchte ich nun einmal hier meine Sicht über das verfrühte Ende des Davis-Cup-Matches zwischen dem Kanadier  Denis Shapovalov und dem Briten Kyle Edmund darzustellen.

Die Szenerie kurz geschildert. Shapovalov ärgert sich über einen einfachen Fehler, drischt einen Ball weg, trifft dabei versehentlich den Schiedsrichter. Direkt im Auge, aus kurzer Distanz, mit fast 140 Stundenkilometern.

Der junge Kanadier wurde disqualifiziert. Ich halte das für falsch und habe damit viel Unmut in den sozialen Netzwerken auf mich gezogen. Hauptkritikpunkt war, dass ich die Verletzung von Schiedsrichter Arnaud Gabas herunterspielen würde. Das hatte ich aber nie getan und das will ich auch in diesem Fall nicht tun. Ich möchte lediglich die rechtliche von der sportlichen Konsequenz trennen – und zwar wie folgt:

Nun bin ich kein Experte in kanadischem Recht. Ehrlich gesagt habe ich da gar keine Ahnung. Also nehme ich das deutsche Recht als Grundlage. Und liegt hier mindestens eine Körperverletzung vor, definiert man Ball und Schläger als Waffe, haben wir sogar eine gefährliche Körperverletzung. Herr Gabas hätte nach dieser Verletzung jedes Recht, Shapovalov anzuzeigen und auch zivilrechtlich Schadenersatz geltend zu machen. Daran darf es keinen Zweifel geben.

Nun kommen wir zum Sportlichen. Der Tennis-Verhaltenskodex sagt aus, dass bei einer Unsportlichkeit eine Verwarnung auszusprechen sei, bei einer weiteren Verfehlung ein Punktabzug, dann sei ein Spielabzug vorgesehen, dann die Disqualifikation. Bei Shapovalov wurden die ersten drei Stufen übersprungen. Das wäre möglicherweise gerechtfertigt gewesen, wenn der Kanadier den Schiedsrichter mit voller Absicht abgeschossen hätte. Doch weder Bilder noch Vor- und Nachgeschichte geben einen Anlass das zu vermuten. So ärgerte sich der Spieler nicht über den Schiedsrichter, sondern über sich und haute den Ball, den er noch in seiner Tasche hatte, einfach in die Luft, leider ins Gesicht des Schiedsrichters. Sofort nach dem Unglück entschuldigte er sich. Nichts spricht hier für einen Vorsatz. Daher ist dieses Ballwegschlagen auch nicht als Angriff auf den Unparteiischen zu werten, sondern als ungebührliches Verhalten, das mit einer Verwarnung zu bestrafen gewesen wäre.

Noch einmal. Mir geht es nicht darum, die Verletzung herunterzuspielen. Ich trenne Strafrecht von Sportrecht. Und sportrechtlich wurde hier die falsche Entscheidung getroffen.

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