§219a StGB muss weg

Es ist offenbar noch nicht genug geschrieben worden, über §219a StGB. Anders ist kaum zu erklären, dass diese Rechtslage in einem aufgeklärten Land wie Deutschland noch immer Anwendung findet. Denn der Paragraf verbietet nicht nur das Werben für Schwangerschaftsabbrüche, sondern auch die öffentliche Information von Ärzten darüber, dass sie welche vornehmen. So wurden in der Vergangenheit immer wieder Ärzte verurteilt. Zuletzt traf es im November 2017 die Ärztin Kristina Hänel. Sie führte auf ihrer Webseite den Schwangerschaftsabbruch als Leistung auf.

Dieses Gesetz ist eine schreiende Ungerechtigkeit, denn eine Schwangerschaft ist nicht für jede Frau eine Freude. Es gibt unzählige Gründe, aus denen Frauen eine Abtreibung in Erwägung ziehen könnten: Der Embryo im Bauch einer Frau entstammt einer Vergewaltigung, die Frau hat nicht die finanziellen Möglichkeiten, ein Kind zu gebären und aufzuziehen, die Schwangerschaft war ein Unfall, etc. Als Mann kann ich mich schlecht in die Rolle einer Frau hineinversetzen, welche Gründe es noch geben kann. Was ich aber sicher weiß: Wäre ich in einer solchen Situation, würde ich mich nach Beratung sehnen. Beratung, die vielleicht im Prozess der Entscheidungsfindung noch nicht im persönlichen Gespräch stattfinden sollte, weil eine Abtreibung in der Gesellschaft, das zeigt die Gültigkeit dieses Paragrafen, noch immer stigmatisiert ist.

Ich würde mir wünschen, mich nicht durch Internetforen mit teilweise wüsten Fehlinformationen klicken zu müssen, sondern mir unauffällig beim Frauenarzt eine Broschüre mitnehmen zu können, oder auf der Website über Risiken, Ablauf und dergleichen informiert zu werden. Doch das ist nicht erlaubt. Ganz im Gegenteil. §219a StGB verbietet es. Was übrigens durch keinen Paragraf verboten ist und auf verschiedenen Ärzte-Seiten angeboten wird, ist die höchst umstrittene Vitamin B17-Therapie bei Krebspatienten. Das aber nur am Rande.

Bei der Abschaffung des Paragrafen geht es lediglich darum, Frauen, die über eine Abtreibung nachdenken, Zugang zu Informationen zu verschaffen. Es geht nicht darum, wie aus konservativen und rechten Kreisen immer wieder gemutmaßt wird, den Weg frei zu machen für große Plakatkampagnen und TV-Werbung, die schwangeren Frauen eine Abtreibung nahelegen und somit den den „Volkstod“ beschleunigen. Es geht nicht darum, Frauen von etwas zu überzeugen, es geht darum, ihnen die notwendigen Informationen zu ihrer selbst getroffenen Entscheidung zu geben. Denn um nichts weiter geht es: um die Entscheidung einer Frau. Will sie ein Kind bekommen? Will sie es neun Monate in ihrem Bauch tragen und danach versorgen?

Es ist eine Entscheidung die nur die Frau selbst treffen kann. Dass der Gesetzgeber mit dem Informationsverbot in ihre Entscheidungsfreiheit eingreifen will, ist schlicht nicht gerecht. Es ist Unrecht. Frauen sind keine Gebärmaschinen, die, sobald sie einen Embryo in sich tragen, dazu verpflichtet sind, auch ein Kind auf die Welt zu bringen. Sie sind Menschen. Menschen mit einer Gebärmutter. Darüber sollten sie sich informieren dürfen.

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