Der Schwachsinn mit den Sprüh-Cocktails

Plastiktüten, Strohhalme, Spießchen und Co. verlassen langsam unseren Alltag. Plastik baut sich nicht natürlich ab, zersetzt sich zu Mikroplastik und gelang so über die Meere und Fische in die Körper der Menschen. Was das anrichten kann, ist noch nicht erforscht. Vermutet wird, dass es Allergien und Entzündungen auslöst. Es scheint gerade – und das ist gut – gerade links von der Mitte einen Anti-Plastik-Hype zu geben. Doch dabei vergessen wir, dass auch Metalle, wenn sie als Wegwerfprodukte konzipiert sind, keine besonders gute Öko-Bilanz haben. Die Recyclingverfahren sind aufwendig, kostet viel Energie. Weißblech beispielsweise wird in Deutschland zwar beinahe zu 90 Prozent recycelt. Oftmals geht auch wertvolles Zinn bei der Aufbereitung verloren. Aluminiumschrott wird hingegen nur zu 40 Prozent wiederverwertet. Aus beiden Materialien werden hierzulande Sprühdosen hergestellt. Ein Produkt, auf das man daher, sofern es nicht unbedingt notwendig ist, verzichten sollte.

Doch genau in diese Zeit stößt ein Unternehmen, dass Cocktails nun nicht mehr im ach so brüchigen Glas, sondern in der „robusten“ Sprühdose verkauft. Aero-Drinks heißen die Gemische aus der Sprühflasche. Mit Hochdruck kommen die Cocktails in bislang fünf Geschmacksrichtungen auf Knopfdruck heraus und direkt in den Mund, sofern richtig gezielt wurde. Der Anbieter wirbt damit, dass der Alkohol schneller wirkt, das „Getränk“ wenig Kalorien hat und in jede Hand- oder Hosentasche passt. Nun bin ich selbst dem Alkohol nicht abgeneigt. Gerne trinke ich ein kühles Bier oder auch mal einen Longdrink. Doch bei „Passt in jede Hand- und Hosentasche“ denke ich vor allem an alkoholsüchtige Menschen, die sich zwischendurch (und schnell wirksam) einen Sprühstoß verpassen. Oder an Kinder, die von der schnellen Wirkung und der bunten aber ansonsten leicht versteckbaren Verpackung angezogen, auf dem Schulklo ihre Experimente mit Alkohol machen.

Überhaupt wirkt es so, als sei das ganze Produkt auf Kinder zugeschnitten. Der Anbieter gibt unumwunden zu, dass die Erfinder auf die Idee gekommen seien, als sie ein Sprühbonbon für Kinder ausprobiert haben. Bestellen kann sie im Internet nahezu jeder. Zwar müssen Besucher der Webseite angeben, ob sie 18 sind oder nicht, aber wir wissen von Pornoseiten gut genug, dass das keine unüberbrückbare Hürde ist. Zwar schreiben die Macher auf ihrer Homepage, dass die Zielgruppe alle Menschen, die „über 18 Jahre“ alt seien und „die schönen Momente des Lebens bewusst erleben und genießen wollen“, glaubwürdig ist das bei der bunten Aufmachung und den beschriebenen Vorteilen nicht.

Ohnehin wird hier ein fragwürdiges Gebilde aufgebaut. Weiter heißt es auf der Homepage: „Wer sich nur besaufen möchte gehört sicherlich nicht zu unserer Zielgruppe.“ Wie die Macher darauf kommen, schreiben sie nicht. Schließlich verbindet man mit dem Trinken eines Bieres, eines Cocktails, Longdinks, ja sogar eines Schnapses eine gewisse Stimmung. Gemütlich sitzt man mit Freunden zusammen, nippt an seinem Glas oder an der Flasche. Vielleicht schaut man dem Barkeeper noch dabei zu, wie er die Zutaten zusammenmixt und mit einer lässigen Handbewegung ins Glas laufen lässt. Es scheint doch trist zu sein, sich auf dem Weg in die U-Bahn schnell einen Sprühstoß Mai Tai in den Mund zu schießen. Der Anbieter will sein Produkt „beim Picknicken am Strand, beim Feiern in der Disco oder auf einem Festival“, genossen wissen. Eine wenig realistische Einschätzung, werden doch Getränke oftmals an der Tür kassiert. Für Hochdruckdosen gilt in vielen Läden und vor allem auf Festivals ähnliches. Es bleibt der Strand – und selbstverständlich das Schulklo, der Kopierraum im Büro und die leere eigene Wohnung. Schließlich wirkt es schnell. Am Ende bleibt dann übrigens idealerweise die gelbe Tonne. Dann hat die Dose wenigstens eine Chance auf Recycling. Abwaschbar ist sie für den Laien nämlich nur von außen.

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