Mit Donald Trump stirbt der „American Dream“

Ich halte nicht viel von derlei pathetischen Begriffen wie dem „American Dream“. Donald Trump schon. Er lässt sich und seine Anhänger glauben, er sei ein Paradebeispiel. Durch Fleiß sei er erfolgreich geworden. Eine Formel, die seit knapp 100 Jahren jedem Amerikaner die freie Marktwirtschaft schmackhaft machen und ihnen eine kollektive Identität einpflanzen soll. Wir gegen alle. U – S – A! Oft wird sie auf die Möglichkeit, vom „Tellerwäscher zum Millionär“ aufzusteigen, heruntergebrochen.

Nun gibt es genau zwei Probleme. Erstens: Trump war nie Tellerwäscher. Trump war der Sohn eines reichen Immobilienunternehmers und er ist selbst: ein reicher Immobilienunternehmer, der, weil er drohte, vom Millionär zum Tellerwäscher zu werden, sich, seine Familie und sein Privatleben in der Unterhaltungsindustrie vermarktete. Das allerdings – so viel Zeit sollte sein – ziemlich erfolgreich.

Zweitens steht es um die Chance der Amerikaner, die nicht in einen Millionärshaushalt geboren wurden, gar nicht mal so gut, irgendwann im Geld zu schwimmen. Studien zeigen, dass der soziale Status der US-Amerikaner viel mehr von ihrer sozialen Herkunft abhängt, als dies beispielsweise in Europa der Fall ist. Trump wird das mit seinen angekündigten Steuererleichterungen für Unternehmen sicher nicht ändern. Warum sollte ein eingeborener Multimillionär auch ein Interesse daran haben, dass jeder seines Glückes Schmied ist und der Sohn eines von Trump höchstpersönlich mit einem subventionierten und dennoch wohl schlecht bezahlten Job in der Kohleindustrie ausgestatteten Bergmanns, aufgrund seiner Qualifikationen, einmal die gleichen Chancen auf einen guten Job haben sollte wie sein jüngster Spross Barron?

Doch eigentlich will ich gar nicht den klassischen „American Dream“ Thematisieren, nicht den rein wirtschaftlichen. Mir geht es um den ideellen, den ursprünglichen.

Es geht mir um den „American Dream“ der Amerika tatsächlich einmal „great“ gemacht hat. Es war der „American Dream“ der Einwanderer. Der „American Dream“ derer, die ihr Glück in der neuen Welt suchten und oftmals, wie auch Trumps Großvater, tatsächlich fanden. Aus der Monarchie in die Moderne. Aus der Unterdrückung in die Freiheit. Doch das möchte Trump nicht. Trump will Amerika einigeln. Trump will Zölle erheben, Handelsabkommen stoppen. Trump sieht diplomatische Bündnisse kritisch. Trump will eine Mauer bauen und Einwanderung stärker kontrollieren, er will Menschen zurück in die Länder schicken, aus denen sie gekommen sind. Damit verwehrt er ihnen das in der Verfassung garantierte – ebenfalls sehr pathetische – Streben nach Glück.

Trump handelt dem „American Dream“ entgegen. Amerika ist „great“, Amerika war „great“, Trump führt es nun zurück. Trump wird im Schlimmstfall alle Amerikaner aus der freien Welt, der neuen Welt zurück in die Monarchie führen. Eine Art Monarchie mit ihm selbst an der Spitze. Dann wäre zwar nicht Amerika, aber Trump „great again“.

Mehr Kamera-Überwachung wäre falsch

Der Ruf nach mehr Kamera-Überwachung ist nach dem grausamen Terroranschlag vom Berliner Breitscheidplatz so laut hörbar in Deutschland wie noch nie. Doch das ist falsch. Waren die ersten Botschaften aus der Spitzenpolitik nach der aufrichtigen Trauer um die Todesopfer nicht dahin gerichtet, die Freiheit nicht aufgeben zu wollen? Ist es nicht ein wichtiges Zeichen, das freie Leben fortzuführen, sich nicht einschränken zu lassen, keine Angst zu haben und sich schon gar nicht aus der Angst heraus zu übereilten und folgeschweren Entscheidungen hinreißen zu lassen? Doch genau das ist es.

Ein mit Überwachungskameras zugepflastertes Berlin wäre nichts weiter als ein Ausdruck der Angst. Aktionismus. Denn verhüten werden Kameras derartige Anschläge nicht. Sie können schließlich nicht in die Zukunft schauen, nur schwerlich live ausgelesen werden. Dazu fehlt, das ist kein Geheimnis, Personal. Zumal vor einer Bedrohungslage ohnehin nicht klar ist, worauf denn genau geschaut werden soll.

Bleibt die Sichtung im Nachhinein. Da kann es letztendlich tatsächlich hilfreich sein, alles auf Band aufgezeichnet zu haben. Das will ich gar nicht bestreiten. Doch wer legt die Grenze fest? Ab wann ist ein Delikt so schlimm, dass die Videobänder gesichtet werden? Ab zwölffachem Mord wie am Breitscheidplatz? Ab gemeinschaftlichem versuchten Mord wie in der heiligen Nacht in einem Berliner U-Bahnhof? Bei jedem Taschendiebstahl? Und wie begründet muss der Tatverdacht sein? Wer garantiert, dass durch eine flächendeckende Überwachung nicht etwa einzelne Menschen, so lange sie sich im öffentlichen Raum bespitzelt werden?

Die ersten Fragen muss ein etwaiger Gesetzesentwurf beantworten, die letzte ist rein hypothetischer Art, zumindest so lange wir in Deutschland noch eine demokratische Regierung haben. Doch bei jeder Einschränkung der persönlichen Freiheit muss sich die Politik die Frage stellen: Bringen wir nicht hier vielleicht etwas auf den Weg, dass weniger demokratischen Nachfolgern zum Staatsterror gereichen könnte? Eine flächendeckende Videoüberwachung der deutschen Städte in den Händen einer potenziell regierenden AfD halte ich für brandgefährlich.

Doch zurück zum Handfesten, zum demokratischen Deutschland, im dem man einzelnen Missbrauch der Video-Überwachung zwar nicht ausschließen kann, ein flächendeckender aber nicht droht: Da Videoüberwachung eben weder ein Verbrechen verhindern kann, noch bei der Auswertung immer zu validen Ergebnissen führen muss, wie das Wirrwar um vermeintliche Aufnahmen von Breitscheidplatz-Attentäter Anis Amri vor einer Moabiter Moschee zeigte, sollte das Risiko, das für die Freiheit eines jeden Einzelnen durch Kamera-Überwachung besteht, nicht eingegangen werden. Im speziellen Falle des Terrorismus oder auch bei Serienmördern kommt hinzu: Es sind häufig Täter mit einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung. Es sind Täter, die nicht zwingend gefunden werden, aber ihre Taten mit sich verbunden haben wollen. Im Falle der Terroristen waren es zuletzt oft Ausweise, die platziert wurden. Gar nicht schlecht für die Identifizierung von Tätern.