Schäm dich, Jena – und empöre dich nicht

Es ist keine vier Jahre her. Steven Uhlys Buch „Adams Fuge“ hatte plötzlich schreckliche Aktualität bekommen. Es kam heraus, dass drei Rechts-Terroristen aus Jena in den letzten Jahren Morde und Anschläge verübt hatten – und der Verfassungsschutz möglicherweise involviert war. Das ZDF-Format „aspekte“ lud Uhly daher in die thüringische Stadt an der Saale ein, drehte einen Beitrag.

Nach der Ausstrahlung ging in Jena sofort ein Beißreflex um: Die Stadt sei als braunes Nest dargestellt worden, das könne nicht sein. Auf Facebook wurde diskutiert, geschimpft, abgestritten. Was getroffene Hunde nun eben so tun. Denn auch wenn Jena sicherlich nicht Primär als Neonazi-Hochburg in Erscheinung tritt, hat die Stadt ein großes Problem mit Rechtsradikalen und Rassismus. Weiterlesen

Advertisements

Propaganda ist so einfach: Schlagworte in einen Topf und rühren

Sonntagabend, 21.45 Uhr, Gasometer in Berlin. Günther Jauch hat eine illustre Runde zum Thema Pegida eingeladen. Mit dabei: Pegida-Sprecherin Kathrin Oertel und AfD-Chefhetzer Alexander Gauland. Alle waren gespannt auf die Aussagen der Pegida-Sprecherin, doch die wich klaren Antworten raus, streute immer wieder das Wort „Volk“ ein und offenbarte rhetorische Schwächen. Weiterlesen

90 Minuten bei Pegida

Die Bärgida-Kundgebung am 12. Januar vor dem Brandenburger Tor.     Foto: dma

Die Bärgida-Kundgebung am 12. Januar vor dem Brandenburger Tor. Foto: dma

Es war gruselig, ich musste es erst ein paar Tage verarbeiten: Dank meines Presseausweises gelangte ich am Montagabend an den Polizeisperren vorbei zur Pegida-Kundgebung auf den Pariser Platz und wäre am liebsten gleich wieder umgedreht. Da wehen Deutsche Fahnen, der ein oder andere Thor Steinar Pullover wird durch mein Blickfeld getragen, Sebastian Schmidtke ist vor Ort – aber auch Menschen, die man auf den ersten Blick nicht bei einer solchen Veranstaltung erwartet. Weiterlesen

„Ich bin ja kein Nazi, aber…“ – Das eine Szenario

Es ist einer der grauenhaftesten Sätze der letzten Jahre: „Ich bin ja kein Nazi, aber…“ Eingesetzt werden häufig Wortgruppen wie: „aber die Ausländer sind nunmal kriminell“ oder „es kann nicht sein, dass die Flüchtlinge 3000 Euro im Monat bekommen und wir nichts.“ Das schlimme ist zum einen, dass hinter dem „aber“ immer abstrusere Unwahrheiten auftauchen, zum anderen, dass scheinbar viele ihre Xenophobie tatsächlich nicht mit den Parolen der Neonazis und rechter Rattenfänger in Verbindung bringen, sich in der Mitte der Gesellschaft sehen – und in Dresden scheinbar Woche für Woche darin bestätigt werden. Weiterlesen

Ferguson als Spitze des Eisbergs: Rassismus ist allgegenwärtig

„Notwehr ist die Verteidigung, die erforderlich ist, um einen gegenwärtigen rechtswidrigen Angriff von sich oder einem anderen abzuwenden“, heißt es in §32 StGB. Da in Missouri noch nicht das Stand-your-ground-Gesetz gilt, verhält es sich dort ähnlich. Dennoch hat ein Polizist den 18-Jährigen Michael Brown am 9. August 2014 nahezu durchlöchert. Zwei Schüsse gingen durch die Brust, zwei trafen das Opfer am Kopf. Doch Polizist Darren Wilson sagt, er habe in Notwehr gehandelt. So weit, so skurril. Weiterlesen

Antilopen Gang, Zschäpe und der Alltagsrassismus

„Ich bin ja kein Nazi, aber…!“ An deutschen Stammtischen kommt kaum ein Gespräch ohne diese Einleitung aus. Damit ist meistens gemeint: „Ich finde, hier sind zu viele Ausländer und die Politiker geben denen was sie wollen, weil sie Deutschland zerstören wollen. Wir sollten lieber selbst darüber abstimmen – per Volksentscheid. Das ist nur eine Meinung, ein Nazi bin ich nicht, denn ich trage keine Springerstiefel.“

Das Problem: Abgesehen von der Mode, die den durchschnittlichen Neonazi in den 90er Jahren ausgemacht hat unterscheidet den „Ich bin ja kein Nazi, aber…!“-Menschen nicht viel von einem leibhaftigen Neonazi. Das sprichen nun auch die Rapper der Antilopengang um NMZS in dem Song „Beate Zschäpe hört U2“ an. Weiterlesen