Liebe Konservative, auch Polizisten sind Menschen

Die Berliner Hundertschaften wurden aus dem G20-Einsatz in Hamburg abgezogen bevor es überhaupt losging. Grund dafür sei ein angebliches „Fehlverhalten“ der Beamten in ihrer Unterkunft in Bad Segeberg.

Die Beamten sollen in ihrem Containerdorf gefeiert haben, sie sollen gegen Zäune gepinkelt, ein Paar soll sogar Sex gehabt haben. Der Aufschrei der Konservativen war durch die ganze Republik zu hören. Von Polizeiskandal ist die rede, sogar von einem der größten der vergangenen Jahre. Diese Auffassung kann ich nun wirklich nicht teilen.

Die Polizisten haben gefeiert, mittelmäßig wild sogar. Doch sie taten das in ihrer Freizeit, nach Dienstende, auf einem abgetrennten Gelände. Geschlossene Gesellschaft quasi. Doch das scheint vielen Konservativen egal zu sein – und dabei vergessen sie: Auch Polizisten sind Menschen.

Dabei sind Konservative oft die ersten, die auf diesen eigentlich nicht erwähnenswerten, weil selbstverständlichen Umstand hinweisen, wenn Polizisten angegriffen werden. Dann schreien sie, was jeder andere logischerweise verinnerlicht hat: Polizisten sind Menschen.  Doch so laut sie schreien, so schnell vergessen sie es wieder.

Doch sie sollten sich in Erinnerung rufen: Polizisten sind nicht nur Menschen mit Gefühlen und Familien. Sie sind auch Menschen wie wir, die feiern wollen, die ihre Blase entlehren müssen und sogar einvernehmlichen Sex haben. Und auch, wenn das einigen Konservativen sicher zu weit führt: Ja. Auch Polizisten können im Einsatz Fehler machen und gehören dafür bestraft. Warum? Richtig, weil sie Menschen sind.

Das feiern, ficken und Stühle stapeln nach Dienstschluss ist für mich allerdings kein Fehler. Es ist Freizeitgestaltung. Ich wage zu behaupten, dass es auf anderen „Betriebsausflügen“ nicht minder wild zugeht. Warum? Weil wir eben Menschen sind.

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Nörgler, Kläger und die Stadt

Ach war das nicht schön? Letztes Wochenende? Lollapalooza? Ich hatte zwar keine Karte und musste ohnehin arbeiten, doch vorher konnte ich mich noch eine Stunde auf die Straße setzen und der Musik lauschen. Die nähere Umgebung durfte an dem Fest teilhaben. Doch schon am Abend sah ich auf Twitter. Das gefällt nicht allen. Es sei zu laut. Solche Veranstaltungen in der Stadt durchzuführen, das ginge gar nicht, hieß es. Doch wo sonst? In der Pampa? Weiterlesen

Ehe für alle: Guten Morgen liebe CDU

Zugegeben: Ich hab es anders kaum erwartet. Die Berliner CDU-Größen zogen sich mit einer Mitglieder-Befragung aus der Affäre. Ein fragwürdiger Stimmzettel wurde verschickt. Eine Frage, die nur mit „Ja“ und „Nein“ zu beantworten ist, wurde aufgedröselt in fünf Abstufungen zwischen „Zustimmung“ und „Keine Zustimmung“. Dazu gab es die obligatorische Enthaltung und die Antwort: Das Thema sei nicht wichtig.

Am Freitag wurde dann das Ergebnis verkündet. Weiterlesen

„Du hast mein Land beleidigt!“ – Darüber sollten wir hinweg sein

Zugegeben, es war nicht die cleverste Botschaft, die ich je auf einem Transparent gelesen habe, als auf der „Oxi“-Demo in Berlin am vergangenen Freitag ein 22 Meter langes Transparent mit der Aufschrift „Deutschland, du mieses Stück Scheiße“ entrollt wurde. Inhaltliche Kritik wäre angebrachter gewesen – und dennoch frage ich mich: Warum musste die Polizei eingreifen, das Transparent konfiszieren? Weiterlesen

Der DOSB entscheidet sich für die EM 2024

Hamburg und Berlin waren in der Verlosung. Seit Montagabend ist klar: Die Hansestadt soll sich für die Olympischen Spiele 2024 bewerben, das teilte DOSB-Präsident Alfons Hörmann in Frankfurt mit. Diese Entscheidung ist umstritten – gerade in der Hauptstadt. Hat Hamburg international überhaupt das Prestige, sich gegen die US-Metropole Boston durchzusetzen? Ich denke nicht. Zwar hat die Stadt an der Elbe ein starkes Konzept, meiner Meinung nach sogar das schönere im Vergleich zu Berlin, doch was nützen die schönsten Pläne, wenn das IOC sich für Boston entscheidet… Weiterlesen

Selten so gelacht

Euro Gida am Platz der Luftbrücke in Berlin.      Foto: dma

Euro Gida am Platz der Luftbrücke in Berlin. Foto: dma

Drei Wochen bin ich nun in Berlin, ich habe viel entdeckt, hier und da nette Menschen kennengelernt, bin viel Bus gefahren. Doch etwas bringt mich jeden Tag, wenn ich zur Arbeit gehe, zum Lachen. Der Supermarkt am Platz der Luftbrücke. Dort gibt es internationale Lebensmittel. Celal Irgi hat in Berlin und Umgebung seine eigene Kette aufgebaut. Der Name: Eurogida. Während Waschberliner die Supermarktkette kannten, bevor das islamfeindliche Pegida-Phänomen auftrat, war es bei mir andersrum – ich musste mich erst informieren, was es damit auf sich hat.

Ich schmunzelte, schaute bei Google und lachte. „Gida“ bedeutet also Lebensmittel, nichts mit Islamisierung, nichts mit Abendland. Eurogida steht einfach für Euro Lebensmittel.

Da die Anti-Islam-Bewegung wohl bald unter anderem Namen auflaufen wird, nachdem sich die Führungsriege zerfleischt hat, wäre der Name also wieder frei – und ideal, falls Irgi plant, seiner Kette noch Discounter hinzuzufügen. Preisgünstige Europäische Lebensmittel. Das hätte doch was.

90 Minuten bei Pegida

Die Bärgida-Kundgebung am 12. Januar vor dem Brandenburger Tor.     Foto: dma

Die Bärgida-Kundgebung am 12. Januar vor dem Brandenburger Tor. Foto: dma

Es war gruselig, ich musste es erst ein paar Tage verarbeiten: Dank meines Presseausweises gelangte ich am Montagabend an den Polizeisperren vorbei zur Pegida-Kundgebung auf den Pariser Platz und wäre am liebsten gleich wieder umgedreht. Da wehen Deutsche Fahnen, der ein oder andere Thor Steinar Pullover wird durch mein Blickfeld getragen, Sebastian Schmidtke ist vor Ort – aber auch Menschen, die man auf den ersten Blick nicht bei einer solchen Veranstaltung erwartet. Weiterlesen