Das perverseste Bundeswehr-Plakat

Die „Mach was wirklich zählt“-Kampagne der Bundeswehr wurde bereits vielfach kritisiert. Dank des Peng-Kollektivs wurden der Plakat-Aktion die Schwächen aufgezeigt, die Lügen, das Verschweigen, was Krieg wirklich bedeutet.

Neulich sah ich allerdings in der U-Bahn ein Plakat, das mich wirklich wirklich wütend machte.

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(c) Bundeswehr

Was will die Bundeswehr damit sagen? Auf den ersten Blick denke ich, die Botschaft des Posters ist: Wenn du dir selbst nichts wert bist und nichts mit dir anzufangen weißt, kannst du auch für ‚dein‘ Land sterben.

Die Bundeswehr will das freilich so nicht sagen. Mit dem Bild im Hintergrund stellen sie die Bundeswehr einmal mehr wie einen Abenteuerspielplatz dar, als Ferienlager, wo junge Leute, vorwiegend Männer gemeinsam gute Laune haben können. Sie sprechen damit allerdings auch scheinbar von der Gesellschaft abgehängte Menschen an, die den Glauben an sich selbst verloren haben und bieten eine kollektive Identität – und Macht durch Schusswaffen.

Klar ist: Mit diesem Plakat zielt die Bundeswehr genau auf ihre Zielgruppe. Sozialschwache junge Männer, die auf nichts stolz sein können als ‚ihr‘ Land und vor der Wahl stehen, illegal Bomben für eine Bürgerwehr zu bauen oder von staatesgnaden an der Schusswaffe ausgebildet zu werden. Menschen, die sich wirklich nicht zu schade sind, für ‚ihr‘ Land zu sterben.

Natürlich braucht die Bundeswehr die Bereitschaft, in den Tod zu gehen, denn das ist die Aufgabe einer Armee im klassischen Sinne: Menschen töten und in Kauf nehmen, getötet zu werden. Doch die Bundeswehr sollte trotzdem aufpassen, was für Lebensmüde sie sich in die Kaserne holt. Noch mehr an der Waffe ausgebildete Soldaten wie Obergefreiter Mundlos braucht die Bundesrepublik nicht.

Während die Bundeswehr darüber nachdenkt, könnte sie auch eine neue Kampagne entwerfen. Eine, die nicht mehr als 10 Millionen Euro verschlingt, nicht täuscht und nicht darauf abzielt, verwirrte Bürgerwehrler an die Waffe zu bringen.

Bundeswehreinsatz in Syrien? Ein Gewissenskonflikt

Am Freitag stimmt der Deutsche Bundestag über einen Bundeswehreinsatz in Syrien ab – und ehrlichgesagt: Ich bin sehr froh diese Entscheidung nicht treffen zu müssen. Es ist leicht, zu rufen: „Kein Krieg. Man muss reden.“ Doch kann man mit jemandem reden, der überhaupt nicht reden will? Der die westliche Welt, mit ihrer von Verhandlungen geprägte Demokratie ablehnt und alles daran setzt, diese zu vernichten? Ich sage es nicht gern – und mein 14-jähriges Ich, das laufend sein „Kein Blut für Öl“-Shirt trug, wird mich dafür hassen. Sowohl für die westliche Welt, bei der inzwischen erste Ausläufer des Terrors ankommen, als auch für die Zivilbevölkerung im mittleren Osten, die sich dem Gräuel schon länger und intensiver ausgesetzt sieht, ist ein Militäreinsatz unausweichlich. Weiterlesen