„Abgehängte“ einbeziehen – aber Werte verteidigen

Seit Donald Trump zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt wurde, überschlagen sich deutsche Medien mit mindestens streitbarer Selbstkritik. Sie gestehen sich reihenweise in (Gast-)Kommentaren ein, jahrelang die sogenannten „Abgehängten“ nicht genügend beachtet zu haben. Und das ist wohl richtig. Nicht richtig ist der Selbstvorwurf der Arroganz, der Überheblichkeit, der Vorwurf in einer Blase zu leben.

Denn eine (Sub-)Kultur, in der von Gleichberechtigung unabhängig von Geschlecht, Religion und sexueller Orientierung zumindest geträumt wird, ist nicht nur eine Blase. Es sollte viel mehr eine Bewegung sein. Eine die wachsen muss und sich nicht zurückdrängen lassen darf.

Mit Wachsen ist hier keinensfalls Oktroyirung gemeint. Schließlich haben wir in Deutschland und den USA Demokratien – und hier kommt die Beschäftigung mit den „Abgehängten“ wieder ins Spiel. Natürlich muss man sich mehr um sie kümmern, natürlich muss man sich auch mit ihnen beschäftigen. Doch man sollte nicht, wie Populisten wie Trump, Petry und Le Pen es tun, ihnen nach dem Mund reden und Dinge versprechen, die so nicht realisierbar sind.

Diese Populisten sind es, die die vermeintliche Abgehängtheit der „Abgehängten“ ausnutzen, um Stimmen zu sammeln. Ihnen ist daran gelegen, dass sie weiter der Gesellschaft hinterherhinken, damit sie weiter genug Schafe für ihre Ziele haben. Aufrechte Demokraten sollten da nicht mitspielen. Sie sollten weiterhin nur im Rahmen das Möglichen agieren, die Gesellschaft aber mehr für Weltoffenheit sensibilisieren.

Es ist kein Geheimnis, dass den „Abgehängten“ mehr Optionen aufgezeigt werden müssen. Die Situation für Alleinerziehende muss verbessert, HatzIV angehoben, der Weg in den Arbeitsmarkt erleichtert werden, keine Frage. Aber all das darf eigentlich nichts mit der Ablehnung teilweise schon etablierter Werte zu tun haben. Arbeits- und Perspektivlosigkeit stehen in keinerlei Kausalität zur Homo-Ehe, zur Religionsfreiheit oder gleichen Löhnen von Mann und Frau. Niemand verliert etwas, wenn Männer Männer heiraten dürfen und diese dann gemeinsam ein Kind adoptieren. Niemand verliert etwas durch eine Moschee, eine Synagoge oder einen buddhistischen Tempel.

Die „Abgehängten“ wieder in die Gesellschaft zu holen, darf nicht heißen, selbst um 60, 70 oder 80 Jahre zurückzufallen. Es muss die Aufgabe sein, diese Menschen in die Welt von heute zu führen. Die Werte, die wir uns erarbeitet haben, müssen unverhandelbar sein.

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Selbstverantwortung? Och nö

Heute habe ich auf Facebook ein beeindruckendes Video gesehen. BILD hatte Aufnahmen des rumänischen Artisten Flaviu Cernescu, der in Targu Jiu auf einem 256 Meter hohen Kamin eines nie in Betrieb genommenen Kraftwerkes Kunststücke zeigt, sich dabei per Helmkamera und Drohne filmt, auf Facebook gepostet.

Meine ersten Gedanken waren: Hammer aufnahmen, aber nichts für mich. Zu riskant. Aber schön, dass es Menschen gibt, die mit genug Gleichgewichtssinn ausgestattet sind.

Umso überraschter war ich, als ich bei den unterschiedlichen „Gefällt mir“-Symbolen auch das Emoji für „wütend“ gesehen habe. Extrem viele User hatte dieses Video also wütend gemacht. So wütend, dass sie sogar einen Kommentar geschrieben haben.

„sehr schlechtes Vorbild für unsere Jugend , Denkt mal darüber nach BILD !!!!!“, schreibt einer, der auf seinem Profil ein Video gepostet hat, auf dem dem eine Frau minutenlang aus einem Maschinengewehr ballert. Ein anderer will wissen: „Wieso macht man sowas ?Andere Menschen verlieren ihr geliebtes Leben durch einen Unfall….Andere spielen mit ihrem Leben als wäre es etwas welches man im Supermarkt kaufen kann“. Ein anderer zweifelt gar an seiner Gesundheit: „Der junge Mann muss ADS haben. Anders kann man das nicht erklären. Er braucht Maxi -Herausforderungen und viiiel Aufmerksamkeit ! Er kann nur so leben.“ Der nächste „‚Der Typ scheint kein Hirn zu haben!‘ Das wäre passendere Überschrift für diesen Beitrag.“ Andere wollen so etwas gar nicht in die Öffentlichkeit gezogen sehen: „Wenn ein Unfall passiert, ist das Geschrei groß! Man spielt nicht mit seinem Leben! Übrigens, sollte gar nicht so viel Beachtung finden, *Vorbildfunktion*!, oder „Einfach Geisteskrank! Hoffentlich sehen das keine Kinder die das dann nachmachen möchten! Nervenkitzel hin- oder her, es gibt genug andere Möglichkeiten sich den zu holen!!!“

Insgesamt eine ganze Menge Anschuldigungen an den Artisten und die Zeitung – und selbstverständlich auch eine ganze Menge Ausrufezeichen.

Mir stellt sich die Frage: Warum können sich viele Menschen nicht mehr an außergewöhnlichen Leistungen erfreuen? Warum erwarten die Menschen, dass alle nach einem bestimmten Lebensentwurf glücklich werden müssen? Warum erwarten sie von einem Medium, so etwas zu verschweigen? Warum erwarten viele Menschen überhaupt immer, dass andere für sie und ihre Kinder verantwortlich sind? Und warum ist es so viel schlimmer, auf einem 256 Meter hohen Turm zu balancieren, als mit einem Gewehr herumzuballern?

Einzeln will ich auf diese Fragen nicht antworten. Aber eines ist klar: Viele Menschen, die so argumentieren, scheuen sich davor, Verantwortung für ihr eigenes Leben zu übernehmen. Sie wollen einen Lebensentwurf vorgesetzt bekommen, möglichst nicht selbst nachdenken, wollen, dass sie geschützt werden. Dabei ist es gar nicht so schwer. Wenn ich mich nicht an einem Arm an einem Reck festhalten kann, sollte ich das vielleicht nicht nicht in 256 Metern Höhe machen.

Es ist komplett der falsche Ansatz, einem Artisten die Leistung schlecht zu reden und den Medien ein Berichterstattungsverbot auszusprechen. Diese Menschen sollten lernen, sich selbst einzuschätzen. Selbst zu wissen, was für sie das Beste ist. Keiner zwingt sie auf diesen Kamin, keiner zwingt sie, sich das Video anzuschauen. Aber Meckern und Schlechtreden ist in diesem Fall komplett überflüssig.

Das beeindruckende Video und die geistigen Ergüsse der Nörgler gibt es hier.

Ad-Blocker nutzen ist wie beim Bäcker klauen

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Wie dürfen Medien noch berichten?

Es war ein Schock. Am späten Vormittag tauchte es in meiner Timeline auf. „Flugzeugabsturz über Südfrankreich. Maschine von Germanwings.“

Was dann kam, war übliche Prozedur. Die Medien überschlugen sich. Nach und nach kamen immer neue Wasserstandsmeldungen heraus… Genauso wie es sein soll. Weiterlesen