IOC und russisches Staatsdoping: Erstmal richtig dann falsch

Lange hat es gedauert, nun hat das Internationale Olympische Komitee (IOC) eine Entscheidung bezüglich des russischen Staatsdopings getroffen. Russland wird von den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang ausgeschlossen. Funktionäre werden ausgeladen, es wird keine russische Flagge geben, keine Hymne, keine russische Mannschaft. Sportler aus Russland dürfen allerdings teilnehmen, sofern die ITA, eine neu geschaffene, unabhängige Behörde für Doping-Testverfahren, bestätigt, dass die Athleten nicht Teil des Doping-Systems sind und waren.

Bis hierhin erachte ich die Strafe als wirklich gut. Sie trifft die Funktionäre, sie trifft auch den Staat, der sich, wie es autoritär geführte Staaten nun mal tun, extrem über den Erfolg der (leib-)eigenen Sportler definiert. Die sauberen Sportler – und ich bin mir sicher, dass es die trotz Staatsdopings gibt, und hoffe, dass die ITA auch nur solche zulässt – dürfen aber an den Spielen teilnehmen und das finde ich richtig. Kollektivstrafen haben noch nie etwas gebracht. Sie sind ungerecht und treffen immer auch Unschuldige. Dass das IOC hier auch die Interessen der Athleten berücksichtigt, finde ich gut.

Doch offensichtlich sind die Spiele von Pyeonchang die zeitliche Grenze für eine konsequente Anti-Doping-Haltung des IOC. Sollten sich die Russen bis zur Abschlussfeier der Spiele an die Auflagen halten, könnten sie dann schon wieder mit ihrer Flaggen einlaufen. Bitte? Ja, genau. Ein paar Monate nicht negativ auffallen, und schon soll alles vergessen sein? Das scheint der Plan des von Putin-Freund Thomas Bach geführten IOC zu sein. Und das verstehe ich nicht.

So angemessen und gerecht die Strafe für die Spiele in Südkorea auch ist, so unangemessen und milde sind die Langzeitstrafen. Es wird kein Eingeständnis des Staatsdopings verlangt, keine Entschuldigung. Schon zur Abschlussfeier in Pyeonchang könnte das russische NOK rehabilitiert sein. Dazu 15 Millionen Dollar Strafe. Das ist alles aber nicht abschreckend.

Mit dieser Akt der Sanktionierung macht sich das IOC unglaubwürdig im Kampf gegen Doping – und Bach im neutralen Umgang mit Russland.

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Trump, Brexit, AfD: Der richtige Umgang fehlt

Großbritannien tritt aus rassistischen, egoistischen Beweggründen aus der EU aus. Der Tenor: Wir müssen damit leben. Die AfD eilt mit einem rassistischen Programm von Wahlerfolg zu Wahlerfolg. Aus dem politischen Berlin heißt es: Wir müssen damit leben. Seit Mittwoch steht fest: Donald Trump wird der 45. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Glückwünsche kommen von Recep Tayyip Erdogan, Viktor Orban, Marine Le Pen, der AfD und Wladimir Putin. Aus der demokratischen Welt heißt es wieder: Wir müssen damit leben.

Doch das ist falsch. Richtig ist: Wir müssen es akzeptieren. Auch, wenn es nicht gefällt. All diese grausamen Entscheidungen sind auf der Basis der Demokratie getroffen worden. Dass sie sicher nicht auf der Basis der Vernunft getroffen wurden ist nur ein schwacher Trost. Daher müssen, ja dürfen wir auch nicht damit leben. Das ist zu passiv. Wir müssen damit aktiv umgehen.

Erstmal bleibt zu klären, wer denn das „wir“ ist. Das „wir“ sollten die Menschen sein, die längst als allgemeingültig betrachtete, aber offenbar nicht sonderlich verbreitete Werte vertreten. Werte wie die Gleichberechtigung von Mann und Frau, religiöse Freiheit, sexuelle Freiheit. Das muss die Grundlage für Demokratie sein.

Von dieser Grundlage aus müssen sich die aufrechten Menschen den gewählten Hetzern entgegenstellen. Verhandlungen mit den Trumps, Orbans, Putins und Erdogans dieser Welt müssen mit aller Härte geführt werden. Zugeständnisse dürfen nicht hergeschenkt werden.

Die Tugend, die Kindern immer nahegelegt wird: „Der Klügere gibt nach“, darf nicht mehr gelten. Es ist nicht die Zeit für Höflichkeiten. Wohin wir kommen, wenn sich die Vernunftbegabten zurücklehnen, haben wir gesehen. Sie sind höflich, suchen Gespräche, machen ein Zugeständnis nach dem anderen. Die Polterer, die Populisten, die die niedersten Gelüste im Menschen ansprechen fahren die Erfolge ein. Der Klügere darf nicht nachgeben, der Klügere muss sich durchsetzen. Die Vernünftigen müssen den Hetzern klare Grenzen aufzeigen und der Bevölkerung die irrationalen Ängste nehmen.

Angst und Wut sind immer schlechte Begleiter, aber sie sind leicht zu schüren. Zu einfach ist es, zu behaupten: „Jemand bekommt etwas, warum du nicht?“ Das nagt. Das nagt an jedem einzelnen, aber es ist irrational. Genauso wie die Angst vor etwas, das einem anders erscheint. Da müssen die Vernünftigen eingreifen. Es bedarf mehr Bildung, viel mehr Bildung, um die Lücke zwischen den Vernünftigen und den Menschen mit beschränktem Horizont zu schließen.

Nur wer Fremdes nicht sofort mit Bedrohung assoziiert, lässt sich nicht von rassistischen, egoistischen Rattenfängern ködern und für ihre eigenen Zwecke instrumentalisieren.

Die Vernunftbegabten haben eine große Aufgabe: nichts geringeres als den Weltfrieden zu schaffen und zu erhalten. Sie müssen ihn vor Feinden der pluralistischen Gesellschaft beschützen, ihnen stark entgegentreten. Das bedeutet im Fall der Trump-Wahl auch, nicht auf Kuschelkurs zu gehen. Es gibt etwas wichtigeres, als die Spaltung des Landes zu verhindern. Trumps Gegner im Wahlkampf dürfen ihm nun nicht das Feld überlassen, sie müssen ihm im Rahmen der Verfassung das Regieren so schwer wie möglich machen.

Und sie müssen die Menschen weiterhin bilden. So lange, bis sie keinen Hasspredigern mehr auf den Leim gehen. Denn ohne Schafe, die ihnen und ihren leeren Versprechungen blind folgen, haben auch die Trumps, Putins und Erdogans keine legetimie Macht.

Bundeswehreinsatz in Syrien? Ein Gewissenskonflikt

Am Freitag stimmt der Deutsche Bundestag über einen Bundeswehreinsatz in Syrien ab – und ehrlichgesagt: Ich bin sehr froh diese Entscheidung nicht treffen zu müssen. Es ist leicht, zu rufen: „Kein Krieg. Man muss reden.“ Doch kann man mit jemandem reden, der überhaupt nicht reden will? Der die westliche Welt, mit ihrer von Verhandlungen geprägte Demokratie ablehnt und alles daran setzt, diese zu vernichten? Ich sage es nicht gern – und mein 14-jähriges Ich, das laufend sein „Kein Blut für Öl“-Shirt trug, wird mich dafür hassen. Sowohl für die westliche Welt, bei der inzwischen erste Ausläufer des Terrors ankommen, als auch für die Zivilbevölkerung im mittleren Osten, die sich dem Gräuel schon länger und intensiver ausgesetzt sieht, ist ein Militäreinsatz unausweichlich. Weiterlesen